AIVERAS

AIVERAS – Mode nach Maß vollautomatisiert herstellen

AIVERAS ist ein Startup mit dem Potenzial, die Modeproduktion zu revolutionieren. Die Gründer bringen Kompetenz aus den Bereichen Maschinenbau, Informatik und Modebranche zusammen. Die Idee ist bestechen: Mode, die perfekt sitzt und nur nach Bedarf hergestellt wird. Attraktiv, individuell und ressourcenschonend.

Wir interviewten Kai Müller, den chief communications officer (CCO) des jungen Unternehmens.

Der Gründer und Geschäftsführer von AIVERAS ist Sven Batista Steinbach.

Sven
Gründer Sven Batista Steinbach
Kai
Kai Müller, CCO

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens: Ihr findet auch AIVERAS auf YouTube

Wenn Maschinenbauer tanzen

Dorothea: Wann seid ihr mit AIVERAS gestartet?

Kai: Die Idee hatte Sven vor einem Jahr, seit Oktober 2018 sind wir richtig dabei. Unser Team ist kontinuierlich gewachsen, inzwischen sind wir schon zehn Leute. Darunter Informatiker, Ingenieure, ich selbst habe Philosophie studiert mit Fokus auf KI. Britta ist eine Weltklasse-Netzwerkerin.

Dorothea: Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Was hat den Anstoß gegeben?

Kai: Sven ist Profi-Tänzer und seine Kostüme mussten immer maßgeschneidert werden, was sehr teuer war. Er hatte den Traum, zu geringen Kosten maßgeschneiderte Kleidung mit tollem Design zu fabrizieren. Da er auch Maschinenbau studiert hat, fing er sofort an zu tüfteln. Und fand eine Lösung.

Dorothea: Und die wäre?

Kai: Wir haben einen Weg gefunden, Kleidung individuell, vollautomatisch und on-demand herzustellen. Und das dann auch noch nachhaltig, weil alles passt und kein Ausschuss anfällt.

Vollautomatische, individuelle Fertigung

Dorothea: Kannst du das für unsere Leser genauer erklären?

Kai: In der Textilproduktion gibt es noch erstaunlich viel Handarbeit, besonders beim Nähen. Vorbestimmte Größen und Designs in der Massenproduktion führen dazu, dass die Kleidung letztlich vielen Menschen nicht passt und sogar tonnenweise verbrannt wird.

Fashion

AIVERAS ist eine vollautomatische Gesamtlösung für die Herstellung von Kleidung. Eine künstliche Intelligenz ordnet Aufträge ein und delegiert die Produktionsschritte an die einzelnen Bereiche der Fertigung. Vom Lasercutter für den Zuschnitt über das Nähen bis hin zur Veredelung und Ausrüstung der Textilien.

Für das Nähen haben wir eine Lösung entwickelt, die manuelle Arbeit überflüssig macht. Wie sie funktioniert ist unser Betriebsgeheimnis. Aber so viel kann ich verraten: Sie ist der Schlüssel zu einer revolutionär neuen On-Demand-Produktion von Kleidern.

Neue Situation in der Modewelt

Dorothea: Ihr möchtet die Modewelt revolutionieren. Wie soll das gehen?

Kai: Mit der Vollautomatisierung ergibt sich eine grundsätzlich neue Situation in der Modewelt. Wir haben nämlich zwei Vorteile.

Erstens: Wir können sehr schnell fertigen.

Zweitens: Wir können ganz individuell fertigen. Jedes Stück wird als Unikat produziert.

Das heißt nicht, dass wir nicht auch Massenfertigung anbieten können. Aber mit der Einzelfertigung können wir ein komplett neues Plattformmodell anbieten.

3D Design für perfekte Passform

Wir erstellen eine Online Plattform (Vorher Website), auf der die Kunden sich einen Avatar mit ihren eigenen Maßen anlegen können. Mittels 3D-Design können sie am Computer genau bestimmen, wie Ihr Kleidungsstück aussehen und sitzen soll. Dieser Schritt ist noch völlig kostenlos. Kosten entstehen erst bei der Bestellung.

Das Modell wird dann an unsere Fertigungsstraße übergeben und produziert. Durch unsere Technologie und Automatisierungen ist es nach ein bis zwei Tagen bereits beim Kunden.

Dorothea: Wie sieht der Wettbewerb in eurem Markt aus?

Kai: Das was wir anbieten, kann auf der Welt sonst keiner. Es gibt zwar einen Konkurrenten, Softwear, aber bei denen geht es nur um die Automatisierung der Massenproduktion. Individualität und Maßanfertigungen sind mit deren Technologie kein Thema.

Es existieren allerdings Unternehmen, die über das Internet maßgeschneiderte Kleidung anbieten. In Japan gibt es ein Unternehmen, ZOZO, das aktuell nach Europa expandiert. Das Scanning ist relativ aufwendig, man muss sich den „ZOZO-Suit“ nach Hause bestellen, der sieht ziemlich albern aus. Bisher bietet dieses Unternehmen T-Shirts, Pullover und Jeans an, die vorher schon massenweise produziert wurden und in etwa deinen Maßen entsprechen.

ZOZO hat auch eine Website, auf der man anhand seiner Maße verschiedene Teile probieren kann. Aber die Individualität und Schnelligkeit, die wir bieten, haben die nicht. Sie versuchen vor allem das Beste aus dem zu machen, was bisher technologisch möglich war.

Bedarfsgerechte Produktion schont die Umwelt

Umweltschonend

Dorothea: Nochmal zum Thema Nachhaltigkeit. Du sagtest, dass Tonnen von Kleidung verbrannt werden? Wie kann das sein?

Kai:

Das kommt besonders bei Luxusmarken vor, die ihre Waren nicht gut verramschen können. Angenommen, eine Luxusmarke produziert ein neues Kleid. Es ist sehr teuer und wird von stilbewussten, wohlhabenden Damen gekauft. Aber eben nicht die gesamte Produktion. Eine große Menge bleibt übrig und die Luxusmarke kann den Preis nicht beliebig senken, weil das dem exklusiven Ruf des Unternehmens schadet. Also wird die Überproduktion verbrannt.

Dazu kommt aber noch generell, dass die produzierte Kleidung bisher über den halben Erdball verschifft werden muss und die Produktion ressourcenintensiv ist. Insgesamt werden durch Textilproduktion mehr Treibhausgase freigesetzt als durch internationale Flüge und Schifffahrt zusammen!

Wir setzen dagegen unser Konzept, bei dem Mode, die dem Kunden auch tatsächlich gefällt, passgenau und nachhaltig vor Ort produziert wird. Es wird genau das produziert, was verkauft wird. Das sind Sachen, die perfekt passen, gerne getragen werden und nicht im Müll landen.

Erste AIVERAS Anlage in Barcelona

Dorothea: Wollt ihr regional, national, international tätig sein?

Kai: Unsere erste Anlage wird in Barcelona sein. Unser Geschäftsmodell ist nicht regional begrenzt.

Dorothea: Wie sieht euer Pricing bzw. die Monetarisierung aus?

Kai: Das steht noch nicht ganz fest. Es wird wahrscheinlich auf ein Provisionsmodell hinauslaufen.

Accelerator hat seinen Namen verdient

Dorothea: Wie hilft euch der Digitale Hub Bonn?

Kai: Oh, der Hub hilft uns sehr (lacht). Wir nutzen das Coworking und die Infrastruktur, die uns hier zur Verfügung gestellt wird, intensiv. Hier können wir in Ruhe arbeiten und Meetings abhalten. Die Atmosphäre ist auch sehr motivierend. Wir können hier produktiv arbeiten, bekommen jederzeit Hilfe und knüpfen wertvolle Kontakte. Der Accelerator beschleunigt tatsächlich unsere Entwicklung.

Außerdem nutzen wir die Veranstaltungen, um uns zu präsentieren. Der Hub bringt uns mit Investoren in Kontakt. Wir bemühen uns derzeit um eine Seedfinanzierung, um unsere erste Produktionsstätte aufzubauen. Da sehen wir gute Chancen.

Vielen Dank für das Interview!

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