Startup aidena; Foto: Simon Hecht

Digitalisierung der Sanitätshaus-Branche [aidena im Interview]

Bei genauerer Betrachtung wird sichtbar: auch die Sanitätshaus-Branche verändert sich und die Digitalisierung hält Einzug. Die digitale Disruption macht vor Orthesen, Bandagen und der Kompressionsversorgung keinen Halt. Durch den Digitalisierungsprozess wird zwischen Anbieter und Kunden ein Keil getrieben. aidena greift den Veränderungsprozess auf und gestaltet ihn aktiv mit. Die Hilfsmittelbranche partizipiert von aidena, öffnet sich der Digitalisierung und erschließt neue Geschäftsmöglichkeiten. Im Interview erzählt Denis Wolff, Co-Gründer und Geschäftsführer von aidena, wie die digitale Plattform sowie Beratung fortan Hersteller, Sanitätshäuser, Kostenträger und Kunden miteinander verbindet. 

 

Simon: Hallo, wer steckt hinter aidena und seit wann gibt es euch?

Denis: Hinter aidena stehen Christoph Rado und ich. Gegründet haben wir das Unternehmen im Sommer 2019. Mit aidena widmen wir uns dem Digitalisierungsprozess in der Sanitätshausbranche. Ein breiter Markt, den wir Schritt für Schritt erschließen und es Kunden leichter machen, sich in der Hilfsmittelwelt zurechtzufinden.

Christoph Rado von aidena
Christoph Rado von aidena

Simon: Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Denis: Die Idee entstand bereits 2018. Hier haben wir gemeinsam mit verschiedenen Sanitätsfachhändlern aus ganz Deutschland, Herstellern medizinischer Produkte und dem Lehrstuhl für Unternehmensführung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die Gründung validiert. Wichtiges Know How kam außerdem auch von Salitaris, einem Netzwerk der Hilfsmittelbranche und von Volkmer Management, einer Unternehmensberatung im medizinischen Hilfsmittelsektor. Die Idee, wenn man dies so nennen kann, ist letztlich über den ständigen Austausch mit den genannten Parteien entstanden. aidena hat sich immer und immer weiter entwickelt, bevor die Gründung letztlich vollzogen wurde.

 

Simon: Also gab es aidena bzw. den Ursprung schon?

Denis: aidena, wie es heute verfügbar ist, gab es noch nicht. Aber es gab den Willen und die Motivation seitens der Sanitätsfachhändler, sich zusammenzufinden und sich mit der Digitalisierung im Hilfsmittelmarkt auseinanderzusetzen. Und natürlich auch das umfassende Thema anzupacken.

 

Simon: Wie funktioniert euer Geschäftsmodell?

Denis: aidena basiert auf mehreren Säulen. Wir möchten dem Kunden bzw. Patienten und auch gesundheitsinteressierten Personen die beste Beratung rund um die medizinische Hilfsmittelversorgung bieten. Dies beginnt mit der einfachen und unkomplizierten Erreichbarkeit bei Fragen rund um die verschiedenen Produkte. Hierfür bieten wir unsere kostenfreie telefonische Beratung bzw. Videoberatung an. Interessieren sich Kunden für ein Hilfsmittel, so informieren wir Sie im Gespräch umfassend über das jeweilige Produkt. Anschließend vermitteln wir an exklusive Sanitätshaus-Fachhändler, die Partner von aidena sind. Kunden, die mit aidena in Kontakt treten, profitieren von medizinischer Fachberatung, der Unabhängigkeit zu Herstellern und von der persönlichen Betreuung über den gesamten Zeitraum der Hilfsmittelanwendung. Der Nutzen liegt für den Kunden ganz klar auf der Hand: Sie bzw. er hat jederzeit einen Ansprechpartner, an den er sich wenden kann und der für Fragen rund um das Hilfsmittel zur Verfügung steht.

Natürlich haben wir auf der anderen Seite die Akteure der Sanitätshausbranche. Sie profitieren von aidena, indem wir exklusive regional beschränkte Kooperations-Lizenzen vergeben. Unsere Partner stehen mit uns dafür, dass wir Kunden den bestmöglichen Service im Bereich der Hilfsmittelversorgung bieten möchten. Dies gilt sowohl für verschreibungsfreie als auch für verschreibungspflichtige Hilfsmittel.

 

Simon: Was ist denn jetzt euer USP?

Denis: Das Alleinstellungsmerkmal von aidena ist die Bündelung von Produktinformationen, gepaart mit einem Erstinfo-Ratgeber für Betroffene und der kostenfreien Beratung – sowohl am Telefon, als auch, was im nächsten Schritt kommen wird, über Videotelefonie. Kunden von aidena werden umfassend über das jeweilige Hilfsmittel informiert und erhalten weitere Informationen zu ihrem Sanitätshaus vor Ort. Durch unseren engen Kontakt mit den lokal ansässigen Partnern möchten wir Kunden das bestmögliche Beratungserlebnis über den Bezug, die Vorteile und die Nutzung des jeweiligen Hilfsmittels bieten. aidena schafft ein Dienstleistungsangebot, das bisher in dieser Form einmalig ist.

Simon: Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Denis: Lass uns erst einmal mit Deutschland beginnen. Klar ist die internationale Expansion auch für jemanden wie uns interessant und von besonderer Bedeutung. Jetzt, zu Beginn, legen wir unsere Kräfte aber komplett in die Erschließung des deutschen Marktes. Genug Herausforderungen gibt es hier definitiv. Und genug zu lernen ebenso. Wenn wir uns zu einem späteren Zeitpunkt auf einen Kaffee treffen, zusammensitzen und uns unterhalten, dann können wir vielleicht auch über andere Länder sprechen.

 

Simon: Also ist euer Markt erstmal regional?

Denis: Ja, das ist er. Der deutsche Markt ist für uns so spannend, dass wir hier Fuß fassen und uns Schritt für Schritt platzieren. Der Fokus liegt auf zum einen auf der regionalen Platzierung und zum anderen auf der bewussten Konzentration unserer Ressourcen auf ausgewählte Hilfsmittel.

 

Simon: Wie sieht eure Zielgruppe aus und wie lernt sie euch kennen?

Denis: Generell ist für uns jede Person von Bedeutung, die sich für Hilfsmittel interessiert und nähere Informationen erhalten möchte. Das können dementsprechend gesundheitsinteressierte Personen sein, aber auch Angehörige und natürlich die bzw. der Betroffene selbst. Bricht man die Zielgruppe weiter herunter, so landest du schnell bei online-affinen Personen, genauer gesagt bei den sogenannten LOHAS bzw. PARKOS. Kurz gesagt sind dies partizipative Personen, die einen Lebensstil pflegen, der auf der einen Seite von Gesundheitsbewusstsein und auf der anderen Seite auch von der Gesundheitsvorsorge geprägt ist. Sie leben nach Prinzipien der Nachhaltigkeit. Und um sich selbstständig zu informieren sowie sich Wissen anzueignen, nutzen sie das Internet. Dies ist der Grund, warum die digitalen Kanäle für uns so wichtig und von so großer Bedeutung sind.

 

Simon: Also müsst ihr euch direkt ans Marketing setzen?

Denis: Ja, unsere Marketingpläne beziehen sich zum aktuellen Zeitpunkt ausschließlich auf die digitalen Kanäle. Natürlich konzentrieren wir uns hierbei auf die großen, bekannten Plattformen und platzieren aidena auf diesen. Google, Facebook, Instagram – das sind entscheidende Kanäle, die wir zu Beginn priorisieren. Und optimiert werden kann hier jederzeit. Egal ob du ein neues Geschäftsfeld erschließen möchtest oder schon zehn Jahre ganz vorne mit dabei bist. Wer sich nicht anpasst und nicht optimiert, geht unter.

 

Simon: Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Denis: In Hamburg haben wir vor drei Wochen mit unseren ersten Testings begonnen. Zu Beginn haben wir in der Metropolregion zwanzig Sanitätshäuser als Partner gewinnen können. Ein sehr guter Ersterfolg für uns. Somit decken wir ein wirklich breites Gebiet der Stadt und auch der Region rund herum ab. Wie es nach Hamburg weitergeht werden wir später kommunizieren. Der Rollout für die nächsten Städte ist geplant und Gespräche mit Sanitätshaus-Partnern finden weiter statt. Wir sind optimistisch, dass wir unsere geplanten Ziele bis Ende 2019 erreichen und aidena Schritt für Schritt im Markt platzieren.

 

Simon: Wie habt ihr eigentlich vom DIGITALHUB erfahren?

Denis: Auf den Hub sind wir durch das Gründerstipendium NRW aufmerksam geworden. Wir haben das Gründerstipendium im Sommer 2019 erhalten. Da ich selbst vor der Gründung von aidena noch in Köln gewohnt habe und erst vor wenigen Wochen nach Bonn gezogen bin, war mir der Digitalhub leider auch nicht bekannt. Das änderte sich dann, als wir die Förderung erhalten haben, ziemlich schnell. Positiv fand ich, dass ihr auf der Website eine Menge Infos über den Hub zur Verfügung stellt. Das waren genau die Infos, die wir brauchten und die wir als nicht ortsansässige zu Anfang gesucht haben.

 

Simon: Viele Gründer finden Köln interessant. Wieso habt ihr euch denn für Bonn entschieden?

Denis: Viele vernachlässigen Bonn und seine Gründerszene. Neben Köln und seiner Gründerkultur, auf die ja zurecht geblickt wird, hat Bonn aber auch eine wachsende Gründergemeinschaft. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Bonn auch gerade dadurch interessanter ist, dass die Community meiner Meinung nach etwas familiärer ist. Das liegt natürlich ganz klar an der Größe der Stadt. Während in vielen Großstädten bzw. Metropolen eine enorme Anzahl an Gründern versucht Fuß zu fassen, hast du dich hier in Bonn schneller vernetzt und kannst mit wichtigen Personen zeitnah reden. Bonn ist für uns der ideale Standort, um aidena aufzubauen und hier im Digitalhub die Weichen zu stellen. Die kommende Zeit wird für die Hilfsmittelbranche spannend.

Simon: Danke für das Interview.

 

Share this post

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email