Interview mit Spotilike

Die Spotilike-App von Andreas Fiacco und Christian Herrmann hilft Usern beim Einkauf und unterstützt lokale Geschäfte – eine klassische Win-Win-Situation für Anbieter und Kunden. Wir sprachen mit Andreas Fiacco über die App und die Pläne der beiden Gründer.  

Frage: Wie kam es zur Gründung von Spotilike, wann seid ihr gestartet?  

Andreas: Wir arbeiten beide schon seit 15 Jahren in der IT. Christian ist seit 2013 selbständig, ich habe neben dem Beruf gegründet.   

Die Idee hatten wir schon 2014. Wir haben uns gefragt, wie wir den lokalen Einzelhandel in der Digitalisierung unterstützen können. Zu Beginn haben wir viel mit kleinen Bluetooth-Sendern (Beacons) experimentiert. Mit der Zeit sind dann die GPS-Funktionen für Smartphones immer intelligenter geworden. Das hat die Entwicklung einfacher gemacht. Die Grundidee ist, dass die App dir den Flyer eines Geschäftes aufs Handy schickt, wenn du in der Nähe bist.   

Mitte 2017 haben wir einen neuen Prototyp programmiert, der genau das tut: Er macht dich auf Geschäfte und Rabattaktionen aufmerksam, abhängig davon, wo du gerade bist. Vor zwei Monaten haben wir einen „Soft Launch“ gemacht, einen ruhigen Start. Das heißt, wir sammeln zurzeit noch Feedback, was den Usern und den Händlern gefällt und optimieren die Funktionen der App.  

 

Öfter mal was Neues finden  

 

Frage: Wo ist der Mehrwert für die Anwender?  

Andreas: Du musst nicht erst an einem Geschäft vorbeigehen, sondern wirst schon am Hauptbahnhof, am Friedensplatz oder an anderen Orten auf Geschäfte in der Umgebung hingewiesen, die du noch gar nicht kennst.   

Dabei konzentrieren wir uns nicht auf die großen Ketten, sondern auf kleine, inhabergeführte Geschäfte, von denen es auch eine Menge gibt und die einer Stadt überhaupt erst ihr Flair geben.   

Wenn du zum Beispiel am Hauptbahnhof stehst und feststellst, hier gibt es ein Geschäft, das ich noch nicht kenne und das zehn Prozent Rabatt anbietet, dann kannst du dich über die App dorthin navigieren lassen oder den Flyer auch über Social Media Profile mit deinen Freunden teilen.  

 

Digitale Bonuskarte  

Manche Rabatte bekommt der User nur über die App. Und entsprechend dem Feedback von Händlern und Usern bauen wir jetzt auch eine digitale Bonuskarte ein. Man kennt das schon von seinen Papierkarten: Wenn du zehn Kaffee getrunken hast bekommst du den elften gratis oder wenn du fünf Paar Schuhe gekauft hast, bekommst du 30 Prozent Rabatt.  

Wir gestalten die digitale Bonuskarte sehr flexibel, so dass jedes Geschäft individuell entscheiden kann, wie viele „Stempel“ man sammeln muss, um eine Prämie zu bekommen, und wie diese Prämie aussieht. Und der User muss nicht mehr zehn Stempelkarten im Portemonnaie mitführen.  

 

Mehr Aufmerksamkeit für lokale Händler  

Frage: Wie sieht die Monetarisierung aus?  

Antwort: Für die User ist die App komplett kostenlos und für die Geschäfte in der Basisversion auch. Wir bieten über die App hinaus noch weitere Dienstleistungen. Die Spotilike-App ist ein Marketingkanal, den wir neu geschaffen haben und langfristig aufbauen wollen. Uns ist aber bewusst, dass wir darüber aktuell nicht so viele Personen erreichen können wie über die etablierten Kanäle, Facebook, Instagram und Google. Die lokalen Geschäfte wissen oft nicht, wie man dort Marketing macht. Wir haben standardisierte Pakete entwickelt und bieten den Händlern an, ihren digitalen Flyer in unserer Spotilike-App zu verteilen, aber auch bei Facebook, Instagram oder Google. Und dafür bezahlt der Händler uns.  

Frage: Wie viele Geschäfte und wie viele Nutzer habt ihr bereits?  

Andreas: Wir haben letztes Jahr knapp über 60 Geschäfte akquiriert. Das ging sehr schnell und wir haben das dann erstmal abgebrochen, weil wir erst die App zu Ende entwickeln wollten. Die Userzahlen sind in dieser Test-Phase noch nicht so wichtig. Wir wollen zuerst einmal Feedback sammeln und schauen, dass die Push-Nachrichten korrekt ausgespielt werden.  

Wenn jetzt unsere Bonuskarte herauskommt und damit der Mehrwert für den User steigt, werden wir auch das User-Marketing starten. Bisher haben wir darauf verzichtet.  

 

Frage: Es geht ja nicht darum, nur Werbung aufs Handy zu senden, nicht wahr?  

Andreas: Genau, das wollen wir vermeiden. Der User bekommt nicht nur „blöde“ Werbung zugespielt. Ab und zu bekommt man einen Flyer angezeigt, aber man kann die App auch so verwenden, dass man auf der Karte nachschaut, welche Geschäfte in der Nähe sind, die man womöglich noch nicht kennt. Du kannst die App auch aktiv benutzen und attraktive, kleine Läden abseits der großen Ketten finden.  

 

Kleinere Standorte wettbewerbsfähig machen  

Frage: In kleineren Städten, Vororten und Stadtteilen gibt es viele kleine Geschäfte, die sich gegen die Zugkraft der großen Shoppingcenter und Innenstädte kaum wehren können. Habt ihr die auch im Fokus?  

Andreas: Wir haben eine Marketing Strategie entwickelt. Zunächst wollen wir Aufmerksamkeit erzeugen. Die Gesellschaft wird mit Werbung zugeschüttet und die kleinen Geschäfte gehen einfach unter. Das darf nicht sein. Zweiter Aspekt ist die Kundenbindung. Es ist viel einfacher, Kunden zu binden, als Neukunden zu gewinnen. Dafür ist auch die Bonuskarte da. Die dritte Säule ist die Markenbekanntheit. Sorge dafür, dass die Leute immer wieder deine Marke sehen. Wenn sich ein Kunde mit dem Thema beschäftigt, weiß er, dass es dich gibt. Er hat dein Logo dreimal gesehen und den Slogan fünfmal gelesen und weiß, dort finde ich, was ich suche.  

Auf das Thema kleinere Orte sind wir aufmerksam geworden, als uns die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler angesprochen hat, um für ihren Einzelhandel etwas zu tun. Im Gespräch haben wir festgestellt, unsere nächsten Ziele müssen nicht Köln, Bonn und Düsseldorf sein, sondern das können auch Troisdorf, Siegburg, Bornheim, Hennef oder eben Bad Neuenahr sein. Denn gerade die kleineren Orte haben das Problem der Konkurrenz durch Shopping Malls und Großstädte.  

 

User-Interessen werden berücksichtigt  

Frage: Kann ich eine Vorauswahl treffen, wonach ich suche? Zum Beispiel, wenn ich eine neue Lesebrille brauche, interessiere ich mich für Optiker und nicht für Metzger oder Geschenkeläden.  

Andreas: Stand heute kann man die App schon nach Kategorien durchsuchen. Du kannst zum Beispiel Mode- und Bekleidungsläden suchen oder auch Buchhandlungen oder Eisdielen.  

Eine gezielte Suche nach bestimmten Produkten könnte in Zukunft auch möglich sein. Wir wollen aus dieser App einen Shopping-Begleiter machen. Wenn du dir am Samstag vornimmst, eine Jeans und einen Pullover zu kaufen, sollst du das in der App eingeben können. Die App wird dich dann auf genau diese Angebote hinweisen.  

Die App lernt aus deinem Verhalten, was dich interessiert. Du kannst zum Beispiel deine Lieblingsgeschäfte abonnieren, speichern und diese dann am Samstagmorgen durchsehen, bevor du einkaufen gehst. Daraus lernt die App, welche Kategorien dich interessieren und spielt dir auf dieser Basis nur relevante Nachrichten zu.   

Frage: Ihr konzentriert euch auf Einzelhandel und Gastronomie, oder kann man auch Dienstleister bei Spotilike finden?  

Andreas: Unsere Hauptzielgruppe sind lokale Geschäfte, also Einzelhändler, Gastronomie, aber auch Dienstleister wie Friseure, Wellness-Salons usw. Wir haben aber auch schon mal eine Personalberatung mit aufgenommen. Es geht um lokale Unternehmen, die Aufmerksamkeit brauchen. Das ist unser Fokus.   

Die Werbung, die wir ausspielen, ist immer ortsbezogen. Auch wenn wir bei Google oder Facebook Werbung einstellen, hat das immer einen Ortsbezug.  

Frage: Seid ihr auf die neue Datenschutzgrundverordnung vorbereitet?  

Andreas: Ja, das sind wir. Wir haben das Thema Datenschutz von Anfang an mit großer Sorgfalt betrachtet .   

 

Seit dem Summer Slam im Accelerator-Programm  

Frage: Wie seid ihr mit dem Digitalen Hub in Kontakt gekommen und inwieweit hat der Hub euch geholfen?  

Andreas: Das fing an nach dem Summer Slam 2017. Da haben wir den Hub kennengelernt. Im September sind wir auf Ivan zugegangen und haben uns am gleichen Tag noch mit ihm getroffen. Er hat uns in das Accelerator-Programm aufgenommen. Seitdem arbeiten wir regelmäßig hier im Co-Working.   

Wir profitieren auch von der Vernetzung; wir hatten die Möglichkeit, unser Startup auf verschiedenen Events zu präsentieren: einer IHK-Veranstaltung, einer Veranstaltung von den Stadtwerken Bonn, letzte  Woche eine Veranstaltung von der Postbank.  

Wir haben auch eine Social Media-Beratung von Bonn Digital bekommen. Jetzt geht es in Kürze an die GmbH-Gründung, bei der eine Rechtsberatung notwendig wird. Für die erste Finanzierungsrunde, für die wir aktuell auf der Suche nach Co-Investoren sind, ist ebenfalls eine Unterstützung durch den Digital Hub geplant.  

 

Vielen Dank für das Interview! 

 

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