Summer Slam 2018 – Erlebnisbericht Teil 1

Startups, Corporates, Investoren und Wissenschaftler strömten am 5. Juni bei herrlichem Sommerwetter an den Bonner Bogen. Mehr als tausend Gäste besuchten die Startup-Expo, lauschten den Keynotes und tauschten Wissen und Meinungen aus bei dem bedeutendsten Digitalisierungs-Event im Raum Bonn /Rhein-Sieg. Food Trucks und die kostenlosen Getränke sorgten dafür, dass alle bis zum Abend bei Kräften blieben.

Als Redakteurin des Digital Hubs löcherte ich den ganzen Tag Gründer und Investoren mit meinen neugierigen Fragen. Hier mein persönlicher Rückblick auf den Summer Slam 2018.

Carmato

Gleich am Eingang ein bekanntes Gesicht: Mein Ex-Kollege Markus Ortner ist mittlerweile bei carmato – der nach eigenem Bekunden „ersten komplett digitalen Plattform zum Onlinekauf und Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen für Private und Händler“. Autos einfach per Klick kaufen? Markus strahlt: „Das Verfahren ist absolut sicher!

Autos sind bei uns sehr detailliert beschrieben. Die Suche ist ganz einfach. Käufer und Verkäufer können voll digital und interaktiv verhandeln und Geschäfte abschließen. Über einen Treuhandservice wird die Zahlung sicher bei der Fahrzeugübergabe abgewickelt. Und Services wie Finanzierung und Versicherung können ebenso digital auf unserem Portal erworben werden.“

Nun, da können sich ja mobile.de und Co. warm anziehen!

High-Tech Gründerfonds

Meine zweite Station ist gleich rechts vorne am Eingang zur Expo. Cornelia Klug und Niklas Raberg vom High-Tech Gründerfonds haben meine Neugier geweckt. Der HTGF ist immer auf der Suche nach vielversprechenden Startups.

„Die Szene ist stark fragmentiert,“ bekennt Niklas. „Wir führen sie, auch mit Unterstützung des Digital Hubs, zusammen.“ Während der Hub Startups identifiziert, initial betreut und gegebenenfalls eine Anschubfinanzierung bereitstellt, geht der HTGF mit den Gründern den nächsten Schritt: Der Fonds erstellt ein Investoren-Rating und steuert eine Seed-Finanzierung bei. Er führt eine Due Diligence durch und hilft den Jungunternehmern durch Krisen und über Hürden hinweg. Am Ende steht der sogenannte Exit: Der Verkauf des Unternehmens an einen potenten Investor.

Der in Bonn ansässige High-Tech Gründerfonds ist der weltweit erfolgreichste SeedCap-Fonds. 1,5 Milliarden Euro externes Kapital konnte er bereits für Gründungen mobilisieren. Seit seiner Gründung 2005 hat er 500 Startups begleitet und 90 erfolgreiche Exits durchgeführt. „Wir machen Millionäre,“ lächelt Niklas.

Keynote von Alex von Frankenberg

Wir bleiben beim HTGF. Dessen Geschäftsführer Alex von Frankenberg betritt gerade die Bühne. Und erklärt schnell mal, welche Herausforderungen in der Praxis den Gründungsprozess prägen.

„Wenn wir einen Businessplan bekommen, multiplizieren wir als Erstes den kalkulierten Kapitalbedarf mal drei,“ schmunzelt er. „Dann haben wir den tatsächlichen Kapitalbedarf.“

Einsatz und Durchhaltevermögen

Wie werden Startups bewertet? Wer am besten verhandeln kann, hat die Nase vorn. Deshalb rät Frankenberg allen Gründern zu einem Verhandlungstraining. Leidenschaft, Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Fleiß sind weitere wichtige Unternehmereigenschaften.

Eine weitere ist die Fähigkeit, Krisen zu überstehen: „95 Prozent der Startups machen Krisen durch. Das ist normal und nicht tragisch. Wichtig ist, dass man sich diesen Krisen stellt und Lösungen sucht. Ein Top-Krisenindikator ist, wenn plötzlich das monatliche Reporting ausbleibt. Dann ist unter Garantie eine Krise im Anmarsch.“

Das Reporting ist wie ein Blick in den Spiegel. Keiner schaut gerne in den Spiegel, wenn er gerade ganz unvorteilhaft aussieht. Dann wird die Realität ausgeblendet oder schöngeredet – und das ist gefährlich.

Warum scheitern Startups?

Frankenberg nennt zwei Hauptgründe für ein Scheitern: Streit unter den Geschäftspartnern und verlorene Bodenhaftung.

Manche seien einfach abgehoben, berichtet er. „Da gab es einmal einen, der trank zu jedem Mittagessen eine Flasche Wein – für tausend Euro. Oder ein anderer Fall: Ein Startup in Berlin fand das Wetter im Winter zu kalt und überwinterte mal kurz in Kapstadt. Die gesamte Belegschaft. Direkt nach dem Rückflug wurde Konkurs angemeldet.“

Think big!

Zum Schluss gibt er allen Gründern den Rat: „Think big!“ Firmen wie Zalando, SAP, 1&1, Mr. Spex und viele andere sind deutsche Gründungen. Trotzdem kommt keine an die wirklich großen Player aus den USA heran. Ein Geschäftsmodell wirklich richtig, richtig groß machen, dazu gehört Mut, aber die Chancen sind immens.

Google Workshop

Ich habe die Qual der Wahl, ob ich Frank Thelens Keynote lausche oder den Google Workshop im Inneren des Hub besuche. Die Keynote bekomme ich bestimmt später noch als Stream, also gehe ich zum Workshop von Jürgen Wallineit von Kaufkraft.

Kaufkraft ist ein zertifizierter Google Partner, der Unternehmen zu Kampagnen und Werbemaßnahmen auf Google berät. Wallineit berichtet, wie Konsumenten nicht mehr nur online sind, sondern zunehmend online leben und so genannte „Micro Moments“ im Web verbringen.

Durch den ubiquitären Einsatz von Smartphones und Tablets hinterlässt jeder täglich tausend kleine Online-Spuren. Diese Social Signals können heute detailliert ausgewertet werden, um die Frage der Fragen von Marketern zu beantworten: „Was wollen die Kunden?“ Denn dann kann man wirklich treffsicher seine Zielgruppe ansprechen und mit maßgeschneiderten Angeboten versorgen.

Hmmm. Stand da in der DSGVO irgendetwas von „Profiling“? Vielleicht habe ich ja etwas missverstanden.

Ist das heiß!

Als ich ins Freie trete, trifft mich beinahe der Hitzschlag. Jetzt ein kühles Irgendwas. Ich passiere den Stand von yeswedo, wo Stefan Grützmacher mein Leiden teilt. Dunkle Haare, dunkle Kleidung, und das in der prallen Sonne: Das Leben als Gründer hält Herausforderungen bereit, die man sich nicht alle im Voraus ausmalt.

Trotzdem freue ich mich für Stephan, der die erfolgreichste Hochzeitsplaner-App auf dem deutschen Markt entwickelt hat – erst kürzlich habe ich an dieser Stelle darüber berichtet.

Am Getränkestand haben sie zwar keine Cola, aber dafür Rhabarberschorle. Ich kippe das köstliche Nass herunter und mein Blick fällt auf

StartupZoom

Iana Karpova, Projektmanagerin, klärt mich auf, was StartupZoom ist: Eine Plattform, die Investoren mit passenden Startups zusammenbringen will. Zielgruppe sind Unternehmen. Diese erhalten – je nachdem, welche Leistung sie buchen – Startup-Analysen für ihre Branche(n), ihre Themen oder passend zu ihrem Portfolio. Eine Startup-Analyse enthält eine Übersicht über das betreffende Startup, seinen Prozess und sein Geschäftsmodell.

Nun ist StartupZoom dabei, möglichst viele Startups für sein Projekt zu begeistern. Denn je größer die Auswahl, umso attraktiver ist die Plattform auch für Investoren.

Chef von Startupzoom ist übrigens Lukas Strniste, der unserem digitalen Hub auch als Mitarbeiter verbunden ist.

Im nächsten Beitrag geht es weiter – mit tollen Startups und gechillten Events auf dem Summer Slam 2018. Bis morgen, eure Dorothea Heymann-Reder

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