Taugt euer Use Case für Blockchain?

Taugt euer Use Case für Blockchain?

92 Prozent der 26.000 Blockchain-Projekte, die in den letzten zwei Jahren entstanden, sind gescheitert. Das berichtete eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte Ende 2017. Es ist die erste empirische Studie dieser Art, basierend auf Metadaten der Open Source-Plattform GitHub.

Wie können Startups verhindern, dass sie in dieselbe Falle tappen wie die 92 Prozent, die es nicht geschafft haben? Was macht ein erfolgreiches Blockchain-Startup aus? Diesen beiden Fragen geht dieser Artikel nach.

Overhyped und missverstanden

Blockchain ist nach wie vor eine der interessantesten neuen Technologien am Markt. Einige Auguren prognostizieren, dass in zehn Jahren zehn Prozent des globalen BIP auf Blockchain-Lösungen realisiert werden wird. Neue Geschäftsmodelle, Fundraising-Konzepte und Zahlungssysteme schießen aus dem Boden der Startup-Communities von San Francisco bis Tel Aviv.

Über den ganzen Hype scheinen manche Gründer zu vergessen, dass sich Blockchain nicht für jedes Geschäftsmodell eignet. Wer sich noch einmal ins Gedächtnis rufen möchte, wie Distributed Ledger und Smart Contracts überhaupt funktionieren, sei auf meinen Artikel Blockchain verstehen verwiesen.

Was erfolgreiche Blockchain-Projekte ausmacht

Die besten Chancen haben Startus zu denen die Blockchain-Technologie passt wie der berühmte Deckel zum Topf. Mit der folgenden Checkliste könnt ihr prüfen, ob Blockchain für euren Use Case überhaupt die richtige Lösung ist. Wenn ihr alle Fragen mit „Ja“ beantworten könnt, ist Blockchain möglicherweise die richtige Technologie, um euer Startup umzusetzen.

Benötigt euer Use Case eine Datenbank?

Ein Blockchain Use Case liegt vor, wenn Ihr eine Datenbank braucht, die an allen Endpunkten völlig manipulatiossicher ist. Jede Möglichkeit einer Einflussnahme von außen untergräbt die Vertrauenswürdigkeit und damit die gesamte Grundlage der Blockchain.

Dieses Problem besteht beispielsweise beim „Blood Diamond Tracking“. Diese Blockchain vollzieht den Weg von Diamanten vom Produzenten bis zum Endabnehmer nach. Sie soll gewährleisten, dass die Diamanten aus vertrauenswürdigen Quellen stammen und keine „Blutdiamanten sind“.

Das System krankt daran, dass Mitarbeiter die Diamanten in die Blockchain-App eintragen. Diese Mitarbeiter stellen ein Risiko dar, sie sind nicht das, was man als einen sicheren Datenbank-Endpunkt bezeichnet.

Werden mehrere Benutzer gleichzeitig in die Datenbank schreiben?

Wenn nur eine einzige Entität Transaktionen in die Datenbank schreibt, braucht ihr keine Blockchain. Diese ist am besten geeignet, wenn viele Beteiligte koordiniert werden müssen. Blockchains sind dezentralisierte, verteilte Datenbanken (Distributed Ledger). Wo es nichts zu verteilen gibt, solltet ihr eine zentralisierte Datenbank verwenden. Diese ist robuster und skalierbarer und wird daher auch von High Tech-Konzernen wie Google und Facebook verwendet.

Ist es erforderlich, dass die Nutzer einander vertrauen?

Wer muss wem vertrauen können, damit euer Use Case funktioniert? Und was würde geschehen, wenn dieses Vertrauen zerstört würde?

In einer zentralisierten Datenbank gibt es immer ein Restrisiko, dass ein Vertrauensbruch eintritt. Zum Beispiel könnte ein Hacker Kreditkartendaten stehlen, ein Zensor könnte den Zugriff auf bestimmte Informationen unterbinden, ein böswilliger Nutzer könnte Transaktionen manipulieren. Je höher der Anreiz, solche Dinge zu tun, umso wichtiger sind Sicherheitsmaßnahmen. Die Blockchain-Technologie ist eine ultimative Sicherheitsmaßnahme.

Ist es ein Problem, mit Mittelsmännern oder zentralisierten Datenbanken zu arbeiten?

Üblicherweise verifiziert eine zentrale Stelle oder ein Mittler die Transaktionen in einer Datenbank. Wenn das gut funktioniert, ist eine Blockchain überflüssig. Notwendig kann sie werden, wenn der Mittler und die Verifizierung viel Geld und Zeit kosten oder eine dezentrale, verteilte Validierung unumgänglich ist.

Ein Beispiel für dieses Konzept ist Slock.it, eine Plattform, die Smart Contracts für individuelle IoT-Geräte generiert. Jedes IoT-Gerät erhält seine eigene Identität und kann ohne menschliches Zutun in komplexe Verträge einsteigen.

Hängen die Datenbanktransaktionen voneinander ab?

Wenn Transaktionen nicht voneinander abhängen, ist eine Master/Slave-Datenbankarchitektur viel einfacher und effizienter. Dabei übernimmt der Master-Knoten die Validierung und die Slave-Knoten die eigentliche Arbeit.

Sind allerdings die Transaktionen voneinander abhängig, wird es im Master-Slave-Paradigma schwierig, diese auf die verschiedenen Knoten zu verteilen. Eine Blockchain muss her, bei der eine Transaktion den kollektiven Zustand der Datenbank ändert und von allen Knoten abgebildet wird.

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