yeswedo – Interview mit Stefan Grützmacher

yeswedo ist die Hochzeitsplaner-App von Stefan Grützmacher. Der ehemalige Mitarbeiter der Deutsche Telekom und passionierte Hochzeitsredner erkannte, dass viele Paare nach dem Verlobungsring nicht genau wissen, womit sie starten sollten, wie sie das Megaprojekt „Hochzeit“ stemmen können. Den Leuten muss geholfen werden, sagte er sich. Im Interview erklärt Stefan, wie er sein Startup auf die Schiene gesetzt hat.

Planlos im siebten Himmel

Frage: Wie bist du auf das Thema Hochzeitsplaner-App gekommen?

Stefan: Ich habe lange im IT-Bereich gearbeitet und war nebenberuflich Hochzeitsredner. Ich wurde immer sehr früh angefragt, oft ein Jahr vor der Trauung, und habe dadurch den Planungsprozess mitbekommen. Da habe ich gemerkt: Wer beschließt zu heiraten, weiß meistens gar nicht, was als nächstes zu tun ist. Dabei möchte ich den Paaren eine Hilfe anbieten, und deshalb habe ich yeswedo gegründet.

Frage: Hast du yeswedo alleine gegründet? Und wann?

Stefan: Ja, ich habe das Startup alleine gegründet. Das war Ende 2016. Die App und die Marke habe ich allerdings zusammen mit der Arndtteunissen Kommunikationsagentur entwickelt. Im Februar 2017 war es dann auch schon so weit, dass ich die App auf den Markt bringen konnte.

Frage: Hast du die App selbst entwickelt?

Stefan: Ja. Ich habe mir angesehen, was international vorhanden ist. Dann habe ich überlegt, was aus meiner Erfahrung den Brautpaaren am meisten bei der Planung hilft und auf dieser Basis ein Konzept erstellt.

Frage: Was kann die App, wo ist der Mehrwert?

Stefan: Zunächst hilft sie beim Planen. Wir führen von Anfang an schon viele Standardaufgaben auf, damit der User weiß: Was muss ich als Erstes tun, was muss ich in der Woche vor der Hochzeit machen usw. Die Nutzer können die App aber auch mit ihren individuellen Aufgaben befüllen.

Aufgaben, Termine und Kosten im Griff mit yeswedo

Darüber hinaus kann man den Aufgaben Kosten zuordnen. Ganz am Anfang kann sich das Brautpaar ein Budget vornehmen, wie viel die Hochzeit maximal kosten sollte. Dann sieht es bei jeder Aufgabe, wie viel anschließend noch übrig ist. Zum Beispiel haben die Brautleute tausend Euro für den Fotografen ausgegeben und zweitausend für die Location, dann sind hinterher vielleicht noch dreitausend übrig für alles andere.

Man hat also immer die nächsten Aufgaben und das Budget im Blick.

Auf der anderen Seite ist unser Dienstleister-Marktplatz. Während die Paare bei uns planen, können sie auch direkt in unserem Marktplatz stöbern und sich passende Angebote nach Kategorien aussuchen. Wir haben 18 verschiedene Kategorien; so können sich die Paare etwa Fotografen aussuchen oder Brautmoden-Geschäfte. Wir haben ein großes Portfolio an Dienstleistern und wenn den Paaren einer gefällt, können sie ihn über die App direkt auch anschreiben.

Deutschlands beliebteste Hochzeits-App

Frage: Wo stehst du in der Entwicklung? Wie viele Paare konntest du schon glücklich machen?

Stefan: yeswedo ist die Nummer Eins in Deutschland. Wir sind die beliebteste Hochzeitsplaner-App im deutschen App-Store. Wir haben 15.000 registrierte Nutzer und 1.100 Dienstleister, die man bei uns finden kann.

Frage: Seid ihr an den Geschäften, die dort abgeschlossen sind, beteiligt? Wie funktioniert die Monetarisierung?

Dienstleister passgenau finden

Stefan: Für die Brautpaare ist die App kostenlos. Für die Business-Partner, d. h. die Dienstleister, haben wir ein System entwickelt: Wenn sich Brautpaare bei uns anmelden, geben sie ihren Heiratstermin oder Wunschtermin und ihre Region an und teilen mit, welchen Dienstleister sie brauchen.

Wir informieren gleichzeitig, während sich die Nutzer registrieren, die entsprechenden Dienstleister in der Umgebung und geben Bescheid, dass ein Paar gerade einen Fotografen in der Nähe sucht. Für einen kleinen Betrag können sich die Dienstleister dann direkt auf die Startseite des Brautpaars buchen und sich dem Paar damit persönlich vorstellen.

Es werden keine personenbezogenen Daten übermittelt, bzw. nur das, was die Nutzer freigeben – unter der Maßgabe, dass der Dienstleister sich bei ihnen melden darf. Wir geben auch kein echtes Budget weiter, weil Geldfragen sensibel sind. Wir dürften zwar das Budget weitergeben, tun es aber nicht, sondern sagen dem Dienstleister nur, ob es eine größere oder eine kleinere Hochzeit ist.

Individuelle Planung für verschiedene Hochzeitskulturen

Frage: Wie geht ihr mit kulturellen Aspekten um, etwa bei muslimischen Hochzeiten oder anderen Konfessionen?

Stefan: Wir sind insofern darauf vorbereitet, als manche Dienstleister spezialisiert sind auf türkische oder indische Hochzeiten. Dadurch, dass ein Paar seine Planung selbständig definieren kann, ist jede Möglichkeit vorhanden. Wir geben lediglich Leitplanken vor, aber das, was eine Hochzeit individuell macht, bestimmen die Paare in Eigenregie.

Frage: Welcher Art sind diese Leitplanken, von denen du sprichst?

Stefan: Es gibt Dinge, die müssen die Paare auf jeden Fall machen. In Deutschland führt beispielsweise am Standesamt kein Weg vorbei. Also sagen wir den Paaren, dass sie sich ein halbes Jahr vor der Hochzeit beim Standesamt melden sollten. Ab diesem Tag X steht dann ganz oben in der App: „Ab heute beim Standesamt melden“. Oder wir sagen, jetzt könntet ihr euch eine Location ansehen.

Eilige Paare sparen Zeit und Nerven

Frage: Wenn jemand es sehr eilig hat und die Hochzeit z. B. in drei Wochen durchziehen möchte, funktioniert das mit yeswedo besser?

Stefan: Auf jeden Fall. Wenn sich Brautleute drei Wochen vor der Hochzeit anmelden, haben sie natürlich direkt viele Todos auf einmal, alle die Dinge, die auf jeden Fall unumgänglich sind. Die Dienstleister zu finden geht bei uns sehr schnell. Sobald ein Dienstleister zusagt, bekommen die Nutzer eine Meldung auf ihr Handy, dass dieser zum gewünschten Termin auch Zeit hat.

Ohne die App müssten die Brautleute vielleicht und 50 E-Mails schicken und 45 Absagen kassieren, ehe sie jemanden finden. Das dauert Tage und kostet Kraft und Nerven. Die App beschleunigt den Prozess enorm.

Den deutschsprachigen Markt im Blick

Frage: Ist die App ausschließlich in deutscher Sprache erhältlich? Wollt ihr auch ins Ausland damit expandieren?

Stefan: Im Moment gibt es die App nur für Deutschland. Wir würden als Nächstes vielleicht nach Österreich und in die Schweiz expandieren, weil das am einfachsten ist. Und wir beobachten weiterhin genau den deutschen Markt.

Dadurch, dass yeswedo eine App ist, könnte man sie leicht in andere Sprachen übersetzen. Aber im Ausland existieren auch andere rechtliche Bedingungen, man müsste also Hochzeitsplaner aus dem entsprechenden Land holen, um den ganzen Prozess entsprechend einzurichten.

Hub hilft bei Finanzfragen und Pitches

Frage: Seit wann seid ihr mit dem Hub in Kontakt, welche Leistungen habt ihr genutzt?

Stefan: Kennengelernt habe ich den Digital Hub in Düsseldorf beim Digital Demo Day. Alle Digital Hubs aus NRW hatten dort einen Stand. Ich habe mich informiert und bin bin bei euch gelandet. Eigentlich komme ich aus Düsseldorf, aber ich habe jahrelang hier ganz in der Nähe bei der Deutsche Telekom gearbeitet und mir gefällt die Ecke hier sehr gut.

Außerdem war für mich maßgeblich, dass das Digital Hub in Bonn auch investieren darf. Darüber hinaus war der Inkubator für mich interessant. Ich habe mich an Ivan gewendet und wir sind dann schnell zusammengekommen.

Frage: Welche Form hatte die Unterstützung?

Stefan: Der Digital Hub hat mich unterstützt bei der Beschaffung von Finanzmitteln. Außerdem kann ich hier Investoren und potenzielle Partner kennen lernen. Ich habe hier auch an einem Pitch-Training für den Rheinland Pitch teilgenommen. In Düsseldorf habe ich zweimal gepitcht, aber hier in Bonn noch nicht.

Gelegentlich nutze ich hier das Coworking, aber teilweise auch das Netzwerk in Düsseldorf.

Vielen Dank für das Interview!

Comments are closed.